Bilanz der Blauen Nacht 2013: 140.000 Besucher und imponierende Kultur

Nürnberg: Immerwährende Winter-Gefühle konnte auch die 14. Ausgabe der Blauen Nacht nicht vollends vertreiben, aber immerhin wehte ein blaues Frühlings- Bändchen durch Nürnbergs Altstadt. Und die Besucherinnen und Besucher nahmen das Angebot dankend an, Stadterkundung mit einem überbordenden Kultur-Angebot zu verbinden. Gut, es hätte durchaus sonniger und etwas wärmer sein können, es herrschten aber allemal Temperaturen, die das Flanieren durch die Blaue Nacht angenehm machten.

Projektion an der Nürnberger Kaiserburg   -   Foto: Evgeni Hecht
Projektion an der Nürnberger Kaiserburg - Foto: Evgeni Hecht

Auch in der 14. Langen Nacht der Kunst und Kultur war wieder ein attraktives, vielfältiges und phantasievolles Programm mit über 250 Angeboten an 71 Kunst- und Kulturorten zu bewältigen. Mit "Himmelsstürmer" (Richard Wagners 200. Geburtstag und der immer am 4. Mai stattfindende „Internationale Star Wars Tag“ waren die Quellen der Inspiration) war ein Thema gefunden, das allen Beteiligten – den Institutionen wie den Künstlerinnen und Künstlern aus dem Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb – offensichtlich beste Entfaltungsmöglichkeiten bot.

140.000 Blaue-Nacht-Fans aus Nürnberg, der Region, aber (wie uns der Ticketvorverkauf zeigte) auch aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland (USA!) flanierten durch die in blaues Licht gehüllte Altstadt und erlebten in der Nacht der Nächte ein Programm, das kaum Wünsche offen ließ.

  • Julian Vogel, der junge Nürnberger Kommunikationsdesigner und Street-Art-Künstler, zog mit seiner faszinierenden Projektion „AD ASTRA“ auf die Fassade der Kaiserburg das Publikum in seinen Bann. Farbenprächtige Motive und Ornamente versinnbildlichten phantasievoll die Traumwelten einer jungen Frau. Wie jedes Jahr war der Weg zum Ölberg unterhalb der Kaiserburg für Tausende von Besucherinnen und Besuchern ein obligatorischer Pilgerpfad. Mit den in aller Welt tätigen Wiener Projektionsspezialisten Rezac hatte Julian Vogel kongeniale Partner für die diffizile und exakte Umsetzung seines Groß-Projekts zur Seite.
    Die Entwürfe für diese Projektion zeigt eine Ausstellung im Kunst- KulturQuartier (bis zum 26. Mai 2013, Glasbau, 1. Stock, König- straße 93, täglich außer montags, 10 bis 18 Uhr, Mi bis 20 Uhr).
  • Auf dem Hauptmarkt wurde an der Fassade des Neuen Rathauses die Geschichte „Der Phantastonaut“ erzählt. Innenleben und Au- ßenhaut des Rathauses wurden zum Abenteuerspielplatz kosmi- scher Fabulierlust. Die 3D-Mapping-Projektion von Martin Böttcher und „das modular“ (Frankfurt) zog das Publikum in die Phantasiewelt eines kleinen Jungen hinein. Eine ausgefeilte Technik, interessante Motive, pfiffige Ideen und die Anmutung der Dreidimensionalität beeindruckten das Publikum.
Nürnberger Lorenzkirche   -   Foto: Marcus Maier
Nürnberger Lorenzkirche - Foto: Marcus Maier

Neben Lichtkunst-Präsentationen prägten vor allem Installationen und interaktive Performances diese Kultur-Nacht. Von den 59 beteiligten Institutionen können an dieser Stelle leider nur wenige erwähnt werden:

  • Staatstheater Nürnberg, Museum für Kommunikation, DB-Museum und Theater „O“ haben die in den letzten Jahren erprobte und erfolgreiche Zusammenarbeit fortgesetzt. Und so wurde auch 2013 das "KulturVIEReck Lessingstraße" zu einem Highlight der Blauen Nacht.
    Auf der gesperrten Lessingstraße und in den angrenzenden Museums- und Theaterräumen wurde ein wahres Feuerwerk an spritzigen Ideen gezündet. Das Publikum erlebte Darth Vader, Prinzessin Leia, zahlreiche Stormtrooper, R2D2 und wie sie alle heißen, die Gestalten aus den legendären „Star Wars“-Filmen von George Lucas. Die „Star Wars Fans Nürnberg“ haben glücklicherweise den „Internationalen Star Wars Tag“ in die Blaue Nacht verlegt und wurden zu einem richtigen Hingucker. Dazu passte die weltberühmte Filmmusik von John Williams, mit der GMD Marcus Bosch und die Staatsphilharmonie im benachbarten Opernhaus zu vorgerückter für Hollywood-Feeling sorgte.
    „Himmelstürmend“ ging es weiter mit der Kultserie „Raumpatrouille Orion“, die nonstop ein Wiedersehen mit Eva Pflug und Dietmar Schönherr bescherte. Expressführungen durch die Museen, Literarisches zur Blauen Nacht, Feuershows, Maskenperformances, Szenen aus der Rocky Horror Show, Darbietungen des Opernensembles und schließlich der wie immer fetzige Auftritt der Gute-Laune-Band La Boum rundeten das Programm ab.
  • Dass Nürnberger Rüstungen als Hollywood-Vorlage dienten, wissen seit dieser Blauen Nacht die Besucherinnen und Besucher des Germanischen Nationalmuseums, das nach einjähriger – Dürer- bedingter Pause – wieder dabei ist. Tatsache ist, dass das Aussehen der weißen „Stormtrooper“-Rüstungen aus den „Star Wars“- Filmen seine Wurzeln in der Nürnberger Patrizier-Geschichte hat.
    Harnische für die fränkische Upper Class ähneln den Hollywood-Varianten aufs Erstaunlichste. Bei Führungen durch die Waffensammlung des Germanischen Nationalmuseums konnte man nun auch diese Informationslücke schließen.
  • Das Ballettförderzentrum weitete auch in diesem Jahr seinen Aktionsradius aus. „Tanz der Götter - 1“ zeigte in der Zentrale (Gleißbühlstraße) – frei nach Homer – die Tanzfassung der Geschichte von Penelope und Odysseus. Auf der Terrasse des Hauses konnte man ein Tanzduett zwischen Himmel und Erde bestaunen. Mit „Tanz der Götter – 2“ ging das Ensemble auf die Straße (der Menschrechte): Hiphop auf den Pfaden der griechischen Mythologie war zu jeder vollen und halben Stunde angesagt. Hier war die Beziehung zwischen den griechischen Göttern Ares (für den Krieg zuständig) und Aphrodite (Liebe!) das Thema. Und Artemis blies passenderweise mit dem Jagdhorn den Takt zum Geschehen.
  • Konditionstraining im Ausstellungs-Hopping: Mancher nutzte die Blaue Nacht auch, um laufende Ausstellungen in einem Sinnes-Marathon zu erleben. So ließen sich die aktuellen Präsentationen der Nürnberger Kunstprofessorin Heike Baranowsky (Kunsthalle im KunstKulturQuartier), des fotografierenden Meisterregisseurs Bülent Ceylan aus der Türkei (Künstlerhaus im KunstKulturQuartier), der US-Minimalistin Mary Heilman (im Neuen Museum Nürnberg) und andere Stationen (Museum Tucherschloss, Kunstbunker, Kunstverein Nürnberg oder Kunstverein Kohlenhof) zu einer Schau-Parade verbinden.
  • Im Künstlerhaus im KunstKulturQuartier beeindruckte das „TANZ- werk Vertikal“ mit einer atemberaubenden Performance: Ingo Schweiger und seine Co-TänzerInnen verbanden Artistik, Poesie und Musik zu einem einzigartigen und atemberaubenden Höhenflug.
  • Die Hochschule für Musik aktivierte „musikalische Himmelslichter“: Den Anfang machten die Saxophon-Anarchisten von „fiasco classico“. Ihnen folgte „Hans Randolf Konze“, der sich nicht zufällig ganz eng „Brille“, seinem Bruder im Geiste und in der Musik, Heinz Rudolf K. verbunden fühlt. Schließlich drehte die alpine Blechlawine Blassticks Brassband mächtig auf: bekannte Volkslieder im souligen New-Orleans-Brass und schräge eigene Kompositionen im Dialekt des bayerisch-österreichischen Grenzgebiets.
Eine Nacht lang wurde Nürnberg wieder in Blau getaucht.   -   Foto: Evgeni Hecht
Eine Nacht lang wurde Nürnberg wieder in Blau getaucht. - Foto: Evgeni Hecht

Der alljährlich stattfindende Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb verleiht der Blauen Nacht als überbordendem Kunst-Ereignis zusehends an Profilschärfe. Schon allein die zwölf Positionen, die eine Jury aus den 130 internationalen und nationalen Einsendungen zum Thema „Himmelsstürmer“ ausgewählt hat, können einen eine ganze Nacht beschäftigen. Alles war überraschend und spannend.

Auch hier können leider nur einige herausgegriffen werden:

  • Im Innenhof des Katharinenklosters (Altbau Stadtbibliothek) verteilte Harri Schemm, Nürnbergs Künstler-Unikat und Kulturförderpreisträger „Himmlische Weisheiten“.
  • In der Ehrenhalle des Alten Rathauses konnte man in der Installation der Hamburgerin Ulrike Schüchler „Fliegen lernen“.
  • Eine „Tropfmusik“ für Auge und Ohr („OKTAKTUM“) gab es im Germanischen Nationalmuseum.
  • In der Tiefgarage der Rentenversicherung konnten die BesucherInnen Teil eines Konzertes anarchisch piepsender Schlüsselfinder werden („WHISTLE B331“).
  • Gleich nebenan gab’s die feierliche Übergabe von 200 Wagner- Büsten (in öko-zertifizierter Bauschaum-Optik). Allerdings erst, nachdem der/die Beschenkte seiner wie auch immer gearteten Beziehung zu Richard gestisch und/oder mimisch Ausdruck verliehen hatte.

Man darf gespannt sein, welches der zwölf Projekte vom Publikum zum Gewinner des zum zweiten Mal ausgelobten Publikumspreises der N-ERGIE gewählt wird. Verdient hätten es wirklich alle, doch um – leicht abgewandelt – Supermodel-Mama Heidi Klum zu zitieren: Es kann – leider – nur ein Projekt Gewinner werden.

Der Publikumspreis der N-ERGIE wird am 10. Juni 2013 an das Gewinnerprojekt übergeben.

Unser herzlicher Dank gilt

... allen Unterstützern der Blauen Nacht für ihr großes Engagement: den zahlreichen Programmverantwortlichen in den beteiligten Institutionen, den Künstlerinnen und Künstlern aus dem Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb, der Wettbewerbsjury und natürlich allen Sponsoren. Ohne diese Unter- stützung wäre die Blaue Nacht in dieser Form nicht realisierbar.

Vorschau:

  • Die Blaue Nacht 2014 ist am Samstag, 3. Mai.
  • Das neue Thema der Veranstaltung wird bis Ende Juli bekannt gegeben (www.blauenacht.nuernberg.de).
  • Die Ausschreibung des Blaue-Nacht-Kunstwettbewerbs 2014 ist ab Ende September auf www.blauenacht.nuernberg.de eingestellt.

Die Blaue Nacht dankt ihren Hauptsponsoren: N-ERGIE Aktiengesellschaft, NESTLÉ SCHÖLLER GmbH und NÜRNBERGER Versicherungsgruppe.

Quelle: Stadt Nürnberg

Fotos: Evgeni Hecht, Marcus Maier

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