Nürnberger Ultras setzen ein Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus

Nürnberg: Im 185. fränkisch-bayerischen Derby zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem FC Bayern München am Samstag, 17.11.12, sahen 50.000 Zuschauer im Stadion Nürnberg eine Eröffnungs-Choreografie zu Ehren des ehemaligen Club-Trainers Jenö Konrad.

Foto: Daniel Marr
Foto: Daniel Marr

Ein Banner mit dem Konterfei von Jenö Konrad überzog die gesamte Nordkurve und erinnerte an den jüdischen Fußballlehrer, der nach antisemitischer Hetze durch den "Stürmer" im August 1932 aus Nürnberg geflüchtet war. Mit dieser eindrucksvollen Aktion sendete die Nürnberger Fan-Szene ein klares Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus.

Der Ungar Jenö Konrad kam im August 1930 an die Noris und sorgte für einen Umbruch im Kader des Ruhmreichen. Mit Willi Billmann, Max Eiberger und Georg Friedel (spätere Meister 1936) führte er junge Spieler an die erste Mannschaft heran und feierte damit erste Erfolge. Eine unglückliche Niederlage gegen den FC Bayern München kostete den Club 1932 die Nordbayerische Meisterschaft. Mit einem 0:2, ebenfalls gegen den Rivalen und späteren Meister aus München, schied der Club im Rennen um die Deutsche Meisterschaft aus.

 

Foto: 1. FC Nürnberg
Foto: 1. FC Nürnberg

„Der Club war der erste. Und er muss der erste werden.“

Diese Niederlage nahm das antisemtische Hetzblatt Der Stürmer zum Anlass, gegen den jüdischen Trainer negative Stimmung zu machen und berichtete auf seiner Titelseite mit folgenschwerer Überschrift: „Der 1. FCN geht am Juden zugrunde“. Jenö Konrad erkannte die Zeichen der Zeit, dass man als Jude in Deutschland nicht mehr in Sicherheit war und verließ in der Nacht vom 5. auf den 6. August 1932 mit seiner Familie die Stadt Nürnberg in Richtung Wien – zum starken Bedauern der Vereinsführung.

Nach seiner Zeit in Nürnberg arbeitete Jenö Konrad unter anderem als Trainer in Österreich, Rumänien, Portugal, Italien und Frankreich. Als sich die politische Lage in Europa immer mehr zuspitzte emigrierte Jenö Konrad 1940 in die USA, wo er nicht mehr im Fußball tätig war. Jenö Konrad verstarb am 15. Juli 1978 im Alter von 83 Jahren in New York. Für die Vereinschronik legte er unmittelbar vor seiner Flucht noch ein Foto mit Autogramm bei: „Der Club war der erste. Und er muss der erste werden.“

Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus

Die legendären Worte von Jenö Konrad waren neben seinem Konterfei Hauptbestandteil der aufwendigen Choreografie. Damit erinnerte die Nürnberger Fan-Szene 80 Jahre später an ein geschichtsträchtiges Ereignis der Club-Historie und setzte ein klares Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus.

„Mit dieser beeindruckenden Aktion haben unsere Fans gezeigt, dass Fußball und der 1. FC Nürnberg kein Nährboden für rechtsextreme Strömungen sind. Gleichzeitig zeigt die Choreografie, wie stark sich der Verein und seine Anhänger mit der Vereinsgeschichte identifizieren und auseinandersetzen“, kommentierte Martin Bader, Vorstand für Sport & Öffentlichkeitsarbeit, die bemerkenswerte Geste der Nürnberger Ultras.

Quelle: 1. FC Nürnberg

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