Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis 2013 geht an die Uganderin Kasha Jacqueline Nabagesera

Nürnberg: Die ugandische Menschenrechtsaktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera ist Preisträgerin des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2013.

Dies hat die international hochkarätig besetzte Jury unter Vorsitz von Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly in ihrer Sitzung am heutigen Sonntag, 30. September 2012, einstimmig beschlossen. Die 32-Jährige erhält die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung, weil sie einen weltweit wichtigen, „für sie selber lebensgefährlichen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und zur Entkriminalisierung von Homosexualität hin zu mehr Toleranz“ leistet, so die Jury in ihrer Begründung. Die zehnte Preis-Verleihung findet am Sonntag, 29. September 2013, im Nürnberger Opernhaus statt.

Bekanntgabe der Trägerin des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2013: OB Dr. Maly präsentiert ein Foto der Preisträgerin Kasha Jacqueline Nabagesera. Foto: Christine Dierenbach / Stadt Nürnberg
Bekanntgabe der Trägerin des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2013: OB Dr. Maly präsentiert ein Foto der Preisträgerin Kasha Jacqueline Nabagesera. Foto: Christine Dierenbach / Stadt Nürnberg

Kasha Jacqueline Nabagesera setzt sich für für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen (LSBT) und die Verbesserung von deren Lebensbedingungen in Uganda ein. Seit ihrem 21. Lebensjahr kämpft sie für die Rechte derer, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in vielen afrikanischen Ländern an den Rand der Gesellschaft gedrängt, bedroht und misshandelt werden. Zu diesem Zweck gründete sie die Organisation „Freedom and Roam Uganda“ (FARUG). Und sie hatte den Mut, in Uganda im nationalen Fernsehen aufzutreten und sich als einer der ersten homosexuellen Menschen öffentlich zu diesem Thema zu äußern. „Unsere Entscheidung soll nicht als erhobener Zeigefinger gegenüber dem afrikanischen Kontinent verstanden werden, sondern ganz klar als weltweite Aufforderung noch stärker für die Rechte sexueller Minderheiten einzutreten“, betonte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bei der Bekanntgabe der Preisträgerin. Alltägliche Diskriminierung von sexuellen Minderheiten sei leider immer noch ein weltweites Phänomen – auch in Westeuropa und Deutschland, sagte Dr. Maly etwa mit Blick auf die mediale Diskussion um Outings im Profi-Fußball weiter.

Porträt von Kasha Jacqueline Nabagesera. Foto: Martin Ennals Foundation
Porträt von Kasha Jacqueline Nabagesera. Foto: Martin Ennals Foundation

In Uganda kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Homosexuelle. Kommt heraus, dass eine Person homosexuell ist, verliert diese nicht selten neben der Achtung der Gesellschaft auch den Job und das soziale Umfeld. Selbst die Justiz in Uganda fährt immer härtere Geschütze auf: Schon heute können sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern mit mehrjährigen Gefängnisstrafen geahndet werden. Im Jahr 2009 wurde sogar ein Gesetzesentwurf eingereicht, der die Todesstrafe für Homosexuelle verlangte und zur Denunziation aufrief, wie es weiter in der Begründung der Jury heißt.

Für ihr Engagement gegen Homophobie zahlt auch Kasha Jacqueline Nabagesera einen hohen Preis: Seit ihrem Auftritt 2007 auf dem World Social Forum in Nairobi, wo sie den Respekt vor Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen, eingefordert hat, ist sie zahllosen Angriffen ausgesetzt. Höhepunkt der Verfolgung ist die Veröffentlichung einer Liste von Homosexuellen in einer ugandischen Zeitschrift, die zur Ermordung der Genannten aufforderte. Seither muss sie ständig ihren Wohnsitz und ihre Identität wechseln. Ihr Mitstreiter David Kato wurde kurz danach Opfer eines Mordanschlags.

„Wir ehren eine mutige Frau und die Preisvergabe wird dazu beitragen, das Thema weltweit stärker auf die Agenda zu setzen“, erklärte Jurymitglied Prof. Dr. Theo van Boven. Er betonte, dass das Thema sexuelle Minderheiten etwa im Mittleren und Nahen Osten auch mit religiösen Belangen verstrickt sei. Zudem sei es auch bei den Vereinten Nationen immer noch ein Tabu-Thema. Weitere Mitglieder der international besetzten Jury sind, Hina Jilani, Prof. Dr. Maurice Glèlè- Ahanhanzo, Maître Daniel Jacoby, Irina Bokowa, Dr. Adolfo Pérez Esquivel, Dani Karavan, Shirin Ebadi, Dr. Sonia Picado und Prof. Dr. h.c. Gareth Evans.

Seit 1995 vergibt die Stadt Nürnberg alle zwei Jahre die Auszeichnung an Personen, die sich zum Teil unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Der Preis ist laut Satzung ein Symbol dafür, dass von Nürnberg, der einstigen Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der menschenverachtenden NS-Rassegesetze, „in Gegenwart und Zukunft nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen“.

Die bisherigen Preisträger sind 1995 Sergej Kowaljow (Russland), 1997 Khémaïs Chammari (Tunesien) und Abe J. Nathan (Israel), 1999 Fatimata M’Baye (Mauretanien), 2001 Bischof Samuel Ruíz García (Mexiko), 2003 Teesta Setalvad (Indien) und Ibn Abdur Rehman (Pakistan), 2005 Tamara Chikunova (Usbekistan), 2007 Eugénie Musayidire (Ruanda), 2009 Abdolfattah Soltani (Iran) und 2011 Hollman Morris (Kolumbien).

Weitere Informationen unter www.menschenrechte.nuernberg.de.

Quelle: Stadt Nürnberg

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