Bauwerke

Bis zum Zweiten Weltkrieg war Nürnberg die einzige Großstadt Deutschlands, in der sich der historische Stadtkern samt Befestigungsanlagen fast unverändert erhalten hatte. Im Bewusstsein dieser herausragenden kultur- und kunsthistorischen Bedeutung wurden bereits vor der Zerstörung Maßnahmen zur Rettung und originalgetreuen Wiederherstellung der wichtigsten Gebäude ergriffen. Am Ende hatten nur zehn Prozent der Baumasse die Bombardierungen unbeschadet überstanden. Die Stadt Nürnberg entschied sich beim Wiederaufbau anders als die meisten anderen deutschen Städte dieser Zeit die Struktur der Altstadt zu bewahren, und schaffte es, die wertvolle historische Bausubstanz in einen angemessenen neueren Kontext einzubinden. Daher ist die Altstadt nicht nur Zeugnis des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, sondern auch des Wiederaufbaus und der Moderne.

Romantik (bis ca. 1250)

Heidenturm
Heidenturm - Quelle: Wikipedia / AlexanderAlUS

Die Nürnberger Burg zählt mit ihrer Geschichte und Architektur zu den bedeutendsten Wehranlagen Europas. Die Kaiserburg, die unter Konrad III. sowie Friedrich Barbarossa gebaut wurde, behielt vor allem mit der Kaiserkapelle und dem Heidenturm ihre romanische Bauform über die Jahrhunderte. Das Nassauer Haus ist das älteste Gebäude im Lorenzer Stadtteil und datiert mit seinen beiden unteren Geschossen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Die Sebalduskirche ist die ältere der beiden Hauptkirchen und entstand auf dem Platz eines Vorgängerkirchenbaus im Ausklang der Romanik (Langschiff) etwa von 1230 bis 1275.

Gotik (bis ca. 1500)

Schöner Brunnen
Schöner Brunnen - Quelle: Wikipedia / Kolossos

Zwischen 1332 und 1339 wurde das Heilig-Geist-Spital als Stiftung des reichen Bürgers Konrad Groß erbaut. Nach den Judenpogromen entstand ab 1349 im Auftrag von Karl IV. die Frauenkirche auf dem Platz der früheren Synagoge. Der Schöne Brunnen wurde zwischen 1389 und 1396 geschaffen und zeigt mit 40 Personenskulpturen die Institutionen der damaligen Zeit in einer hierarchisierenden Darstellung. Der Bau der Lorenzkirche wurde um 1250 begonnen und erstreckte sich über drei Bauabschnitte bis 1477. Auch sie wurde auf dem Platz eines Vorgängerbaus errichtet. Die Sebalduskirche erhielt den gotischen Hallenchor.

Der Reichtum der Stadt zeigte sich an der Wohnkultur der reichen Bürger, sodass gegen Ende der Gotik zahlreiche mächtige Bürgerhäuser das Stadtbild prägten. Es entwickelte sich eine Innenhofkultur, die in der Renaissance zu voller Blüte kam.

Renaissance

Die freie Reichsstadt verfolgte eine für diese Zeit typische Expansionsstrategie, sodass ab 1500 auch mehrere Patrizierfamilien Herrensitze außerhalb der damaligen Stadtmauern erwarben. Erhalten und sehenswert sind das Grundherrenschloss, der Herrensitz Hummelstein, das Petzenschloss, der Herrensitz Schoppershof, Schübelsberg, das Tucherschloss, der Weigelshof und das Zeltnerschlösschen.

Das Pellerhaus (1602–1605) galt als ein Hauptwerk der deutschen Hochrenaissance (im Krieg teilzerstört und modern wiederaufgebaut; es ist vorgesehen, das Haus teilweise zu rekonstruieren). Der Hirsvogelsaal (1534) als Beispiel der Festarchitektur des Patriziats wurde wiederaufgebaut. Die Fleischbrücke wurde 1596–1598 vom Ratsbaumeister Wolf-Jacob Stromer wegen der Strömung nach dem Vorbild der Rialto-Brücke in einem Bogen errichtet. Da sie als Hauptverkehrsader diente, müsste sie wesentlich flacher verlaufen und galt lange Zeit als außergewöhnlich in der Brückenbaukunst.

Der mächtige Wolff'sche Rathausbau wurde in den Jahren 1616 bis 1622 errichtet und zeigt mit seinen Stilelementen bereits den Übergang zum späteren Barock und Rokoko.

Barock und Rokoko

Egidienkirche
Egidienkirche - Quelle: Wikipedia / Aarp65

Das Barockzeitalter prägte das gotisch und im Stil der Renaissance dominierte Stadtbild nicht um. Einzige Barockkirche in der Altstadt ist die Egidienkirche (barocker Umbau 1711–1718), sie zeigt bereits den stilistischen Übergang zum Rokoko. Barocke Bürgerhauser sind in der Altstadt nur vereinzelt erhalten geblieben. Der Maxplatz ist noch ein rudimentär erhaltener planmäßig angelegter Barockplatz in der nordwestlichen Altstadt.

Im außerhalb der Altstadt gelegenen Stadtteil St. Johannis befinden sich zahlreiche barocke Bürgerhäuser und Gartenanlagen (Hesperidengärten).

Der Neptunbrunnen (1660–68), größte barocke Brunnenanlage nördlich der Alpen, wurde 1797 an das Schloss Peterhof (Russland) verkauft, ein Zweitguss stand von 1902 bis 1934 auf dem Hauptmarkt und befindet sich heute im Stadtpark.

Klassizismus

  • St. Elisabeth
  • Tucher'sches Palais am Egidienberg

Frühes Industriezeitalter

  • Kettensteg

Historismus

  • Villa Spaeth (1890)
  • Hauptbahnhof Nürnberg (1904)
  • Opernhaus (1906)
  • Kaufhaus Weißer Turm (Ludwigstraße)
  • Grand-Hotel (Bahnhofsplatz)
  • Justizpalast (Fürther Straße 110)


Bemerkenswert ist, dass der Historismus in Nürnberg mit dem Nürnberger Stil, der die Wiederaufnahme der nürnbergischen Bautradition der Spätgotik und Renaissance anstrebte, auch eine besondere lokale Ausprägung erfahren hat:

  • Hotel Deutscher Kaiser (Architekt Konradin Walther, 1888/89), Königstraße 55
  • Schloss Stein (Architekt Theodor von Kramer, 1899)
  • Hansa-Haus (Architekt K. Schultheiss, 1893–95), Plärrer 2

Jugendstil und Reformarchitektur

Der Jugendstil entfaltete sich in Nürnberg zunächst als Kunsthandwerk mit Gebrauchsgegenständen. Als Baustil dauerte er nur verhältnismäßig kurz an. Viele Jugendstilgroßbauten wurden bereits in der nationalsozialistischen Ära abgerissen (Ausstellungshallen am Dutzendteich) und fielen dem Zweiten Weltkrieg und Abbrüchen in den 1950er und 1960er Jahren zu Opfer. Erhalten sind:

  • Jugendstilviertel Gärten hinter der Veste (Schweppermann-, Meuschel-, Hastver- und Krelingstraße)
  • Volksbad, Rothenburger Straße 10 (1900)
  • Bismarck-Schule, Bismarckstraße 20 (1902–04)
  • Alte Eingangshalle des Germanischen Nationalmuseums von German Bestelmeyer


Die Reformideen der Gartenstadt-Bewegung (Ebenezer Howard) fielen in der Ende des 19. Jahrhunderts schnell gewachsenen und verdichteten Stadt mit ihren prekären Wohnverhältnissen auf fruchtbaren Boden. Im Geist dieser romantisierenden Vorstellung entstanden kurz vor dem Ersten Weltkrieg vier bemerkenswerte Siedlungen:

  • Wohnkolonie Rangierbahnhof (1907–1914, German Bestelmeyer u. a.)
  • Gartenstadt Nürnberg (ab 1910, Richard Riemerschmid u. a.)
  • MAN-Werksiedlung Werderau
  • Fliegersiedlung an der Regensburger Straße

 

Klassische Moderne

  • Kaufhaus Schocken am Aufseßplatz (1926, Erich Mendelsohn)
  • Planetarium am Rathenauplatz (1927 Otto Ernst Schweizer), 1934 auf Betreiben Julius Streichers abgerissen
  • Städtisches Gaswerk (1927, heute verändert, Walter Brugmann)
  • Gynäkologische Klinik im Nordklinikum (1928–31, Robert Erdmannsdörfer)
  • Milchhof (1930, nur noch in Teilen erhalten, Otto Ernst Schweizer)
  • Poststadt an der Allersberger Straße (1928–30, Georg Kohl)
  • Großwohnanlage Gibitzenhof, Dr.-Luppe-Platz (1929, Ludwig Wagner-Speyer)
  • Großsiedlung am Nordostbahnhof (1929–31, Karl Sorg u. a.)
  • Straßenbahnwartehalle am Plärrer („Plärrer-Automat“) 1931, (abgetragen 1977, Walter Brugmann)
  • Verwaltungsgebäude der Fränkischen Überlandwerke in der Hainstraße (heute N-Ergie) 1930 (heute aufgestockt und teilweise architekturfremd überformt)

 

Nationalsozialismus

Zeppelintribüne
Zeppelintribüne - Quelle: Wikipedia / Arno Gisinger
  • Reichsparteitagsgelände mit Zeppelintribüne, Märzfeld und Großer Straße
  • Kongreßhalle (ab 1935, unvollendet, Ludwig Ruff)
  • Südkaserne (ehem. SS-Unterkunft, 1938, Franz Ruff)
  • Transformatorengebäude an der Regensburger Straße
  • Unterkunftsgebäude an der Regensburger Straße (heute Altenheim)
  • ehem. Gauleitergebäude am Willy-Brandt-Platz (heute Verlag Nürnberger Presse)

Moderne und Postmoderne

  • Akademie der Bildenden Künste Nürnberg


Die Akademie der Bildenden Künste von Sep Ruf ist die erste denkmalgeschützte Nachkriegsarchitektur Süddeutschlands.

  • Theodor-Heuss-Bau des Germanischen Nationalmuseums
  • Plärrer-Hochhaus, ältestes Hochhaus Bayerns
  • Planetarium
  • Hochhaus der Fränkischen Überlandwerke am Platz der Opfer des Faschismus (heute N-Ergie)
  • Alcan-Werke in Nürnberg-Sandreuth
  • Erweiterungsbau und neues Eingangsfoyer des Germanischen Nationalmuseums in der Kartäusergasse mit der Straße der Menschenrechte
  • Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
  • Neues Museum


Zwischen 1975 und 1977 wurde im Stadtteil Schweinau der Fernmeldeturm Nürnberg errichtet. Dieser ist nach einem Austausch der Turmantennen im Jahr 2005 292,80 Meter hoch und der drittgrößte Fernmeldeturm Deutschlands. Der in 185 Meter Höhe befindliche eiförmige Turmkorb gibt dem Turm den Spitznamen „Nürnberger Ei“. Erst seit 1988 werden die Programme von Sat.1 und RTLplus ausgestrahlt.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

Sehenswert in der Innenstadt sind außerdem:

 

  • Felsengänge im Untergrund des Burgbergs
  • Der Henkersteg
  • Grübelbunker
  • Der Weiße Turm mit dem Ehekarussell-Brunnen
  • Der Gänsemännchenbrunnen, ein kleiner Brunnen hinter der Kirche Unserer lieben Frauen
  • Johannisfriedhof (Nürnberg)
  • Rochusfriedhof

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Aktuelles

Sa

22

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2014

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Nürnberg: Im dritten Spiel der Viertelfinalserie sollte für die THOMAS SABO Ice Tigers endlich der erste Sieg gegen die Grizzly Adams Wolfsburg her. Von 6.797 begeisterten Zuschauern frenetisch unterstützt, legten die Ice Tigers, die mit Tyler Weiman im Tor begannen, los wie die Feuerwehr und setzten die Gäste dermaßen unter Druck, dass diese sich in den ersten 20 Minuten kaum aus der Nürnberger Umklammerung befreien konnten.

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25

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2014

Ice Tigers: Spektakulärer 7:6 n.P.-Sieg gegen Augsburg!

Nürnberg: "Rock the House" hieß das Motto der THOMAS SABO Ice Tigers am Freitagabend gegen die Augsburger Panther. Und was die beiden Teams von Beginn an zeigten, hatte tatsächlich etwas von Rock'n'Roll.

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Nürnberg: Die Bauarbeiten der U 3 Nordwest schreiten voran: Mit dem sogenannten „Tunneldurchschlag“ für den Abschnitt Klinikum Nord bis Nordwestring am heutigen Mittwoch, 15. Januar 2014, ist eine wichtige Bauphase abgeschlossen.

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